Krampfartige rechtsseitige Unterbauchschmerzen
Shownotes
Alle Fälle sind aus dem Werk: 80 Fälle Innere Medizin Aus Klinik und Praxis
- Auflage Pottgießer, Torben (Autor),Ophoven, Stefanie (Autor),Schorb, Elisabeth (Autor) Erscheinungsdatum : 04/2023 Hier zu finden: https://shop.elsevier.de/80-faelle-innere-medizin-9783437426551.html
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00:00:08: Kramfartige rechtseitige Unterbauchschmerzen
00:00:12: Anamnese.
00:00:13: Die vierzigjährige Lehrerin Frau K. stellt sich in Begleitung ihres Ehemanns in deiner hausärztlich-internistischen Praxis vor.
00:00:21: Sie klagt über kramfartige rechtseitige Unterbauchschmerzen, die in die Flanke und Leiste ausstrahlen.
00:00:27: Die Schmerzen hätten bereits am Vortag begonnen.
00:00:30: Die Einnahme von Paratitamol hätte keine Linderung gebracht.
00:00:34: Sie habe kaum geschlafen, stattdessen sei sie die ganze Nacht im Haus auf und abgegangen.
00:00:39: Kurz vor dem Arztbesuch habe sich Frau K. einmal übergeben.
00:00:43: Der Stuhlgang sei zuletzt unauffällig gewesen.
00:00:46: Ein Brennen beim Wasserlassen besteht nicht.
00:00:49: Ihr Zyklus sei schon länger unregelmäßig.
00:00:52: Die letzte Menstruationsblutung liege etwa fünf Wochen zurück.
00:00:55: Aus einem Vitamin-Präparat nimmt die Patientin keine Medikamente ein.
00:01:00: Worauf achtest du bei der anschließenden körperlichen Untersuchung vor dem Hintergrund der geschilderten Anamnese in besonderer Weise?
00:01:09: Wichtig ist zunächst zu beurteilen, ob bei Frau K. ein akutes Abdomen vorliegt.
00:01:14: Das würde einen schnellen Transport ins Krankenhaus erfordern.
00:01:17: Ein wichtiges Kriterium ist hier, dass vorhanden sein einer abdominellen Abwehrspannung.
00:01:22: Weitere wichtige Symptome sind beispielsweise Kreislaufinstabilität oder gastrointestinale Blutungen.
00:01:29: Die Erhebung der Vitalparameter ist deshalb wichtig.
00:01:32: Ist dagegen ein akutes Abdomen unwahrscheinlich, solltest du bei Frau K. eine strukturierte und gründliche körperliche Untersuchung durchführen.
00:01:40: Versuche den Schmerz dabei möglichst genau zu lokalisieren.
00:01:43: Provokationstests sind wichtig, jedoch sollten diese vorsichtig durchgeführt werden.
00:01:48: Auch eine Rektale und axiläre Temperaturmessungen kann in diesem Fall sinnvoll sein.
00:01:53: Wichtig ist es auch, Frau K. nach der Möglichkeit einer Schwangerschaft zu fragen.
00:02:01: Du siehst eine vierzigjährige Patientin in akut reduziertem, allgemeinen und schlankem Ernährungszustand.
00:02:07: Die Körpergröße beträgt hundertfünfundsechzig Zentimeter, das Körpergewicht vierundfünfzig Kilogramm.
00:02:13: Ihr BMI liegt demnach bei neunzehnkommar acht Kilogramm pro Quadratmeter.
00:02:18: Die Herzfrequenz beträgt vierneunzig pro Minute.
00:02:21: Der Blutdruck hundertfünf zu fünfundsebzig Millimeter HG.
00:02:25: Temperatur, sechsunddreißigkommar acht Grad Celsius.
00:02:28: Die Hautesblas, die Schleimhäute sind feucht, es besteht kein Iktorus.
00:02:33: Kopf und Hals sind unauffällig.
00:02:35: Über dem Herzen auskultierst du regelmäßige Herztöne ohne Herzgeräusche.
00:02:40: Die Untersuchung der Lunge ist unauffällig.
00:02:43: Sonora Klopschall, normales Atemgeräusch, keine Rastelgeräusche.
00:02:47: Zum Abdumen Die Darmgeräusche sind lebhaft.
00:02:51: Es imponiert einen diskretar Klopschmerz über dem rechten Nierenlager.
00:02:55: sowie einen Druckschmerz im Bereich des rechten unteren Quadranten.
00:02:59: Es besteht kein Peritonismus und kein Loslassschmerz.
00:03:03: Eine Organomegalie lässt sich ebenfalls nicht feststellen.
00:03:07: Die Extremitäten sind unauffällig.
00:03:10: Die orientierende neurologische Untersuchung ist ebenfalls unauffällig.
00:03:17: Welche körperlichen Befunde sprechen für diese Verdachtsdiagnose?
00:03:24: Die Patientin leidet wahrscheinlich unter einer Nierenkollig bei Urolitiasis.
00:03:28: Typisch für eine Nierenkollig sind die einseitigen, kolligartigen Unterbauch- und Flankenschmerzen.
00:03:34: Sie stellen das Leitsymptom der Nierenkollig dar.
00:03:37: Zurückzuführen sind sie auf Oretta spasmen und den Harnaufstau.
00:03:41: Die Schmerzlokalisation ist abhängig von der Position des Steins und vom Ort des Harnaufstaus.
00:03:47: Proximal gelegene Uretersteine führen eher zu Flankenschmerzen.
00:03:51: Distallgelegene Uretersteine führen eher zu Unterbauchschmerzen, die auch nach Genital ausstrahlen können.
00:03:57: Da manche Steine wandern, kann sich die Schmerzlokalisation im Verlauf verändern.
00:04:01: Typisch für eine Nierenkolik ist auch das unzureichende Ansprechen der Schmerzen auf Paracetamol und das einseitig klopfschmerzhafte Nierenlager.
00:04:10: Häufig tritt eine vegetative Begleitsymptomatik mit Übelkeit und Erbrechen auf.
00:04:15: wie auch bei unserer Patientin.
00:04:17: Die motorische Unruhe passt ebenfalls zu Nierenkolik.
00:04:23: Durch welchen Test kannst du den Verdacht auf einen Nierenkolik erhärten?
00:04:30: Gehärten lässt sich die Verdachtdiagnose durch einen Urinstreifentest.
00:04:34: Außerdem kann so zusätzlich gegebenenfalls auf ein infektiöses Geschehen geschlossen werden.
00:04:39: Typischerweise liegt bei einer Urulitis eine Mikrohemmatorie vor, seltener auch eine Makrohemmatorie.
00:04:45: Bei Frau K. erhebst du im Urinstreifentest folgenden Befund.
00:04:50: Erretrozyten deutlich positiv.
00:04:52: Leukocyten leicht positiv.
00:04:54: Nitrit, Protein, Ketone und Glucose sind negativ.
00:04:58: Der pH ist unauffällig und liegt bei fünf bis sechs.
00:05:01: Dieser Befund spricht also ebenfalls für das Vorliegen an der Nierenkolik.
00:05:05: In achtzig Prozent der Fälle findet sich hierbei, wie auch bei Frau K., die schon erwähnte Hematurie.
00:05:14: Bei Vorliegen einer Trias aus kollegartigen, einseitigen Flankenschmerzen, epsilateralem Harnaufstau und Hematurie ist eine Urolithiasis sehr wahrscheinlich.
00:05:26: Welche weitere Diagnostik ist beim wahrscheinlichen Vorliegen von Harnsteinen sinnvoll?
00:05:33: Da Harnsteine häufig mit einem Harnwegsinfekt einhergehen, ist zur weiteren Diagnostik eine Urinkultur wichtig.
00:05:40: Erstens zum Keimnachweis und zweitens für ein gegebenenfalls folgendes Antibiogramm.
00:05:46: Fakultativ kann ein Urinsediment erfolgen.
00:05:49: Dessen mikroskopische Beurteilung mit Nachweis von Kristallen kann Hinweise auf die Steinart geben.
00:05:56: Kommen wir zu möglichen Differenzialdiagnosen bei Beschwerden wie denen von Frau K. Gehen wir da so systematisch vor.
00:06:03: Welche renalen Differenzialdiagnosen erwähgst du?
00:06:06: Nenne jeweils auch ein paar Stichpunkte zu typischen, klinischen bzw.
00:06:11: diagnostischen Befunden.
00:06:15: Renale Differenzialdiagnosen umfassen zum Beispiel eine Pylonephritis und ein Nierenabstes.
00:06:21: Typisch werden hier Fieber und ein Entzündungslabor.
00:06:24: Auch Perfusionstörungen wie ein Niereninfarkt oder eine Nierenwenentrombose sind denkbar.
00:06:29: Nicht selten geht ein solcher Niereninfarkt auf ein Vorhoflehmand zurück.
00:06:33: Im Labor kann eine hohe LDH und in der Urindiagnostik eine Proteinorie auftreten.
00:06:38: Diagnostisch ist die farbkodierte Duplexsonografie wegweisend.
00:06:42: Diese findet auch bei der Diagnostik einer Nierenvenentrombose Anwendung.
00:06:46: Befindet sich die Thrombose auf der linken Seite, kann bei Männern aufgrund des venösen Rückstaus eine Schwellung des linken Hodens auffallen.
00:07:03: Zum einen ist hier die Appendizitis zu nennen.
00:07:05: Wegweisend wären hier die typischen klinischen Schmerzpunkte sowie ein Entzündungslabor.
00:07:10: Jedoch klagt auch Frau K. über Schmerzen im Unterbauch.
00:07:13: Die Abgrenzung ist also nicht ganz leicht.
00:07:16: Sonografische Zeichen wären zum Beispiel der Nachweis einer pathologischen Kokade oder freier Flüssigkeit im rechten Unterbauch.
00:07:24: Auch eine Divertikulitis wäre denkbar.
00:07:26: In der körperlichen Untersuchung lässt sich dabei zumindest in einem Teil der Fälle auch eine walzenförmige Resistenztasten.
00:07:33: Ebenfalls möglich sind Scholesistitis bzw.
00:07:36: Gallenkolik.
00:07:37: Typisch wären hier ein positives Murphyzeichen und bisweilen eine Schmerzaustrahlung in die rechte Schulter.
00:07:43: Auch hier hilft die Sonografie weiter.
00:07:46: Eine Pankreatitis lässt sich am besten mit der Bestimmung der Lipase ausschließen.
00:07:50: Sie ist hierbei der sensitivste und spezifischste Parameter.
00:07:54: Auch eine inkazerierte Leistenherne ist denkbar.
00:07:57: Hier fällt eventuell eine tastbare Vorwölbung im Bereich der Leister auf, die sich im Stehen oder beim Husten verstärkt.
00:08:06: Wie bewertest du an dieser Stelle muskuloskeletale Differenzialdiagnosen?
00:08:13: Hier kommen zum Beispiel Wertepragenisch-Schmerzen oder eine Coxitis in Frage.
00:08:17: Bei, das ist in diesem Fall jedoch eher unwahrscheinlich, und zwar weil diese Schmerzen nicht kollegartig auftreten.
00:08:24: Daneben bestehen noch gynäkologische Differenzialdiagnosen.
00:08:28: Welche fallen dir ein?
00:08:32: Aus dem Bereich der Gynäkologie ist eine extra uterine Gravidität denkbar.
00:08:36: Dies würde auch zu einer mnestisch beschriebenen ausbleibenden Menstruationsblutung passen.
00:08:41: In der Praxis hilft die Bestimmung des Beta-HCGs.
00:08:45: Auch eine stilgedrehte Ovarialzüste ist denkbar.
00:08:48: Hierfür würde eine Schonhaltung der Patienten mit angezogenen Beinen sprechen, da eine solche Stildrehung zum Bild eines akuten Abdromens führt.
00:08:56: Eine Atmexitis bzw.
00:08:57: eine akute Unterleibsentzündung wäre ebenfalls möglich.
00:09:01: Typisch wäre hier ein vermehrter Ausfluss.
00:09:03: Bei einer Dysminorö treten krampfartige Schmerzen im Unterleib und der Leisten gegend auf, oft in Kombination mit Übelkeit, Erbrechen und Abgeschlagenheit.
00:09:13: Der Beginn ist in der Regel einige Stunden vor dem Einsetzen der Regelblutung.
00:09:19: Kommen wir zum nächsten wichtigen Punkt.
00:09:21: Welche Diagnostik stößt du bei der Arbeitsdiagnose Urolithiasis an?
00:09:26: Worin besteht die initiale Basisdiagnostik?
00:09:32: Wie in diesem Fall schon erfolgt, zählen zur Basisdiagnostik bei Urolithiasis, Anamnese, körperliche Untersuchung und Urinstreifentestung.
00:09:41: Die Anamnese sollte auch eine Ernährungs- und Familienanamnese beinhalten.
00:09:45: Daneben spielt die genaure Urin- und Blutuntersuchung eine Rolle.
00:09:57: Zur Beurteilung der Nierenfunktion bestimmst du Kreatinin, Harnsäure und Elektrolyte, inklusive Calcium.
00:10:04: CRP und kleines Blutbild dienen der ersten Einschätzung eines eventuellen infektiologischen Geschehens.
00:10:10: Außerdem interessieren dich die Gerinnungsparameter, für den Fall, dass ein späterer, interventioneller Eingriff erforderlich sein könnte.
00:10:19: Welche bildgebenden Verfahren kommen zum Einsatz?
00:10:25: In Frage kommen hier Sonografie, eine Nativct und das konventionelle Röntgen.
00:10:31: Die Sonografie ist schnell durchführbar und daneben breit und günstig verfügbar.
00:10:35: Sie weiß zudem eine hohe Sensitivität auf.
00:10:38: Damit ist sie das primäre diagnostische Mittel der Wahl und das sowohl in der Akkutsituation als auch in der weiteren Diagnostik und Nachsorge.
00:10:47: Typischerweise kann bei Nephrolitiasis ein unilateraler Hahnaufstau nachgewiesen werden.
00:10:53: Die direkte Darstellung des Kongrements gestaltet sich dagegen häufig schwierig.
00:11:00: Falls dir das Buch vorliegt, kannst du dir im Fall krampfartige rechtseitige Unterbauchschmerzen eine passende Sonografieaufnahme ansehen.
00:11:08: Es zeigt sich eine hydronephrotische Niere mit Steinachweis im Ureta.
00:11:13: Zurück zur weiteren Bildgebung.
00:11:15: Die native CT stellt bei Verdacht auf Uretersteinen das bildgebende Standardverfahren ergänzend zu Sonografie dar.
00:11:22: Der Grund hierfür liegt in ihrer hohen Sensitivität und Spezifität.
00:11:26: Sie erlaubt neben dem Stein Nachweis die Darstellung der genauen Lokalisation und Größe.
00:11:32: Dies ist entscheidend für die Therapieplanung.
00:11:35: Außerdem sind durch Messung der Steindichte Rückschlüsse auf die Steinart möglich.
00:11:40: Ein konventionelles Röntgen kann für die Bestimmung der Röntgen Dichte eines Steins hilfreich sein.
00:11:49: Eine
00:11:57: solche weiterführende metabolische Diagnostik zur Abklärung der Steinursache ist bei unkomplizierten Verläufen nicht erforderlich.
00:12:05: Bei Menschen mit hohem Rezedivrisiko sollte diese Diagnostik jedoch im Verlauf durchgeführt werden.
00:12:11: Sie umfasst eine erweiterte Blutuntersuchung sowie eine zweifache, vierundzwanzigstunden Sammel-Oreondiagnostik.
00:12:17: Die erweiterte Blutuntersuchung dient unter anderem dem Ausschluss eines Hyperparaturioidismus.
00:12:24: Welche Akkuterapie leitest du bei Frau K. ein?
00:12:28: Welche Therapiebausteine kommen hier prinzipiell zum Tragen?
00:12:32: Nenne zunächst die Schlüsselbegriffe.
00:12:36: Die Therapiebausteine bestehen aus Analgesie und gegebenenfalls Maßnahmen zur Hahnableitung, um einen Steinabgang zu ermöglichen.
00:12:44: Dazu zählen die medikamentöse Erleichterung eines Steinabgangs beziehungsweise interventionelle Eingriffe zur Steinbergung.
00:12:59: Patientinnen und Patienten mit Nierenkolik benötigen rasch eine suficiente Analgesie.
00:13:04: Die Medikamente der Wahl sind Metamizol oder NSAID, wie zum Beispiel die Klophenack.
00:13:09: Falls mit diesen Substanzen keine ausreichende Schmerzländerung erreicht werden kann, können als Zweitlinienmedikamente Opioide eingesetzt werden, so z.B.
00:13:18: Tramadol plus Antimethikum, wie z.B.
00:13:20: Mimitochlopramid.
00:13:22: Aufgrund des ungünstigen Nebenwirkungsspektrums sollte heute kein Ptidin mehr verordnet werden.
00:13:29: Was weißt du zum Thema Steinbergung und Hanableitung?
00:13:34: Welche Maßnahmen, Medikamente und Interventionen kommen hier zum Einsatz?
00:13:41: Ein spontaner Steinabgang kann in der Regel abgewartet werden bei kleinen Hahnleitersteinen mit Besserung der Beschwerden unter konservativer Therapie.
00:13:49: Stichwort Watchful Waiting.
00:13:51: Die Gabe von Alpha-Blockern wie Tamsulusin kann in diesen Fällen die Steinabgangsrate erhöhen und den Steinabgang beschleunigen.
00:13:59: Die Gabe erfolgt aber als Off-Label-Anwendung, worüber du aufklären musst.
00:14:04: Liegen persistierende Schmerzen, steigende Retentionsparameter oder eine hochgradige Obstruktion vor, ist zur Entlastung der gestauten Niere-Akut eine Hahn-Ableitung erforderlich.
00:14:15: Zum Einsatz kommen zum Beispiel eine retrograde Hahnleiterschiene oder die Percutane-Nefrostomie.
00:14:21: Bei niedriger Wahrscheinlichkeit für einen spontanen Steinabgang oder fortbestehender Symptomatik ist eine interventionelle urologische Therapie indiziert.
00:14:29: Angewandte Verfahren sind z.B.
00:14:31: die exakorporale Stoßwellen-Lito-Tripsi, kurz ESWL, die Ureterohrenoskopie oder wiederum die Percutanephrolitotomie.
00:14:41: Du entschließt dich bei Frau K. zunächst für ein abwartendes Vorgehen und vereinbarst einen Rückruf am späten Nachmittag.
00:14:48: Außerdem verordnest du ihr Metamizol zur anergetischen Therapie.
00:14:53: Leider berichtet Frau K. später am Telefon über persisterende Schmerzen.
00:14:57: Du organisierst deshalb die Aufnahme in ein nahegelegenes Krankenhaus.
00:15:01: Welches Konzept kann dir bei einer strukturierten Übergabe helfen?
00:15:07: Jede Übergabe sollte strukturiert erfolgen.
00:15:10: Eine Möglichkeit hierfür bietet das S-Bar-Konzept.
00:15:13: Es gliedert sich in S wie Situation, B wie Background, A wie Assessment und R wie Recommendation.
00:15:20: Situation
00:15:22: Erwähnt werden Alter, Geschlecht, Diagnose oder Verdachtsdiagnose und Symptome.
00:15:27: Background
00:15:29: Hier geht es zum Beispiel um Vorerkrankungen und Allergien.
00:15:34: Hier wird beschrieben, was bereits gemacht wurde, zum Beispiel Diagnostik, Medikamentengabe und gegebenenfalls Monitoring.
00:15:42: Welche Empfehlungen werden ausgesprochen?
00:15:44: In unserem Fall zum Beispiel die stationäre Aufnahme.
00:15:57: Die Übergabe könnte beispielsweise so lauten.
00:16:00: Ich möchte eine vierzigjährige Patientin mit Verdacht auf Urolitiasis zuweisen.
00:16:04: Seit gestern bestehen kolikartige, rechtsseitige Unterbauch- und Flankenschmerzen.
00:16:09: Die Patientin hat einmalig erbrochen.
00:16:11: Eine Schwangerschaft ist möglich.
00:16:13: Der Allgemeinzustand ist wegen der Schmerzen akut eingeschränkt, die Vitalparameter sind aber stabil.
00:16:18: Auch keine wesentlichen Vorerkrankungen.
00:16:21: Sonografisch zeigt sich rechts ein Harnaufstau und ein Konkrement im Ureta.
00:16:25: Der Urinstreifentest ergab eine Hemmato- und Leukozitorie.
00:16:29: Die Befunde der Blutuntersuchung und Urinkultur stehen aber noch aus.
00:16:33: Die Patientin hat von mir Metamizol, Tramadol und Metoclopramid erhalten, darunter aber keine Besserung der Schmerzen.
00:16:40: Ich möchte die Patientin gerne zuweisen zur Analgesie, erweiterten Diagnostik und Therapieplanung.
00:16:55: Frau K. ist eine Frau im gebärfähigen Alter.
00:16:58: Bei einer Untersuchung mit ionisierender Strahlung muss im Vorfeld immer gefragt werden, ob sie schwanger ist oder sein könnte.
00:17:07: Was tust du, wenn die Patientin eine Schwangerschaft nicht sicher ausschließen kann?
00:17:14: Dann sollten die CT-Untersuchungen auf die Tage nach Einsätzen der nächsten Periode verlegt oder ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.
00:17:22: Eine Strahlenexposition des Ungeborenen sollte unbedingt vermieden werden.
00:17:28: Und was wäre, wenn sich eine Schwangerschaft bestätigt?
00:17:34: Besteht eine dringliche Indikation für eine Untersuchung mit potenziell fruchtschädigender Wirkung, muss eine sorgfältige Nutzenrisikoabwägung erfolgen.
00:17:43: Bei Schwangeren mit Verdacht auf Urolithiasis ist die Sonografie die bildgebende Methode der Wahl.
00:17:49: Bei unserer Patientin haben wir die Frage nach einer möglichen Schwangerschaft gestellt, bevor die CT geplant wurde.
00:17:54: Grund hierfür ist, wie vorhin bereits erwähnt, dass die Extrauteringravidität bei Frauen im gebärfigen Alter mit Unterbauchschmerzen eine wichtige Differenzialdiagnose darstellt.
00:18:06: Bei unserer Patientin konnte mittels ESWL einen Steinabgang ermöglicht werden.
00:18:11: Am Entlassungstag fragte ich Frau K. wie hoch das Rezidivrisiko von Harnstein ist und welche Prävention sie ergreifen kann.
00:18:19: Was weißt du dazu?
00:18:21: Welche Empfehlungen gibst du ihr an die Hand?
00:18:26: Das Rezidiefrisiko von Hahnsteinen ist hoch und liegt bei sechzig Prozent in zehn Jahren.
00:18:32: Es kann aber durch eine konsequente Sekundärprophylaxe, auch Metaphylaxe genannt, deutlich reduziert werden, und zwar auf zwanzig Prozent in zehn Jahren.
00:18:41: Die wichtigste allgemeine Maßnahme zur Steinprophylaxe ist eine ausreichende Trinkmenge von über zwei Komma fünf Litern pro Tag.
00:18:49: Das Ziel ist eine effektive Verdünnung des Hans und darin enthaltener Litogenersubstanzen.
00:18:55: Außerdem wird eine ausgewogene Kochsalzarme und Fleischarmeernährung empfohlen.
00:19:00: Oxalatreiche Lebensmittel sollten gemieden werden.
00:19:03: Dazu zählen zum Beispiel Spinat, Kakao und leider auch Schokolade.
00:19:10: Neben allgemeinen präventiven Maßnahmen gibt es je nach Steinart noch spezifischere Empfehlungen.
00:19:16: Welche verschiedenen Steinarten kennst du?
00:19:19: Und was weißt du zur Häufigkeitsverteilung?
00:19:24: Um spezifische Empfehlungen geben zu können, sollte Steinmaterial, wenn möglich, immer asserviert und analysiert werden.
00:19:31: Am häufigsten sind Calcium-Oxalatsteine, die etwa achtzig Prozent der Nierensteine ausmachen.
00:19:36: Harnsäuresteine sind mit bis zu zehn Prozent deutlich seltener, genauso wie Calciumphosphat und sogenannte Infektsteine, die jeweils fünf Prozent der Nierensteine ausmachen.
00:19:47: Jetzt noch einmal zu spezifischen Empfehlungen zur Prävention.
00:19:50: Eine Kalziumarme diet ist auch bei Kalziumsteinen nicht indiziert, da Kalziumoxalat bereits im Darm bindet.
00:19:58: Bei Kalzium- und Phosphathaltigen Steinen sollte ein Hyperparaturiodismus ausgeschlossen werden.
00:20:04: Bei Kalziumoxalat und Harnsorresteinen wird zudem eine Harnalkalisierung empfohlen.
00:20:09: Dazu eignen sich Medikamente, wie z.B.
00:20:11: Kaliumnatrimhydrogenshydrat und alkalische Nahrungsmitteln.
00:20:15: Klingt kompliziert, ist aber einfach Obst und Gemüse.
00:20:22: So, geschafft.
00:20:24: Fasse noch einmal abschließend in eigenen Worten zusammen, was du heute zum Thema Urolitiasis gelernt hast.
00:20:34: Die Urolitiasis ist eine häufige Erkrankung in westlichen Industrienationen.
00:20:39: Ursächlich ist die Übersättigung des Urins mit Analitogenen, also steinbildenden Substanz und nachfolgender Ausfällung.
00:20:46: Meist handelt es sich um Kalshymoxalatsteine.
00:20:49: Leitsymptom ist die Nierenkolik mit einseitig krampfartigen, intermitierenden Flankenschmerzen.
00:20:55: Begleiten tritt meist eine Himmatorie auf.
00:20:58: Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung, Sonografie sowie eine Blut- und Urin-Untersuchung.
00:21:05: Das Spektrum der Differenzialdiagnosen ist breit und umfasst vor allem Renale, Gastrointestinale und gynäkologische Erkrankungen.
00:21:13: Die Therapie der akuten Nierenkolik erfolgt symptomatisch mit Analgetika.
00:21:17: primär mit Metamizol oder NSAID und wenn erforderlich, in zweiter Linie zusätzlich mit Opioiden.
00:21:24: Bei kleinen Harnsteinen kann meist ein spontaner Steinabgang abgewartet werden.
00:21:29: Kontraindikationen für eine konservative Behandlung sind unter anderem steigende Retentions- und Infektparameter sowie persistierende Schmerzen.
00:21:38: Gegebenenfalls muss eine Harnableitung und oder eine urologische Intervention zur Steinentfernung durchgeführt werden.
00:21:45: An Komplikationen sind vor allem Infektionen und eine Niereninsuffizienz zu nennen.
00:21:50: Eine solche Infektion kann mit einem Harnwegsinfekt beginnen und bis hin zu Orosepsis führen.
00:21:55: Durch eine konsequente Steinprophylaxe, die in diesem Kontext als Metaphylaxe bezeichnet wird, kann das ansonsten hohe Rezedivrisiko deutlich gesenkt werden.
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